MAFs in Stadtvierteln: Ästhetik des Chaos oder Logik des urbanen Überlebens?

Kiew ändert aktiv seine Politik gegenüber kleinen architektonischen Formen: Die Stadt führt transparente Auktionen und Gestaltungsrichtlinien ein. Doch hinter der ästhetischen Fassade des „Kampfes um Ordnung“ verbirgt sich eine strukturelle Herausforderung. Die kleinen, aber feinen Gebäude entstanden als schnelle Antwort auf den Wunsch der Stadtbewohner und füllten die wirtschaftliche Lücke in Wohngebieten, indem sie erschwingliche Waren und Dienstleistungen in Wohnnähe anboten. Wird die Stadt in der Lage sein, auf diese Kioske zu verzichten, ohne die kleine, alltägliche Wirtschaft zu zerstören?

Im professionellen Sinne ist MAF nicht einfach nur ein Kiosk. Es umfasst die gesamte urbane Infrastruktur im Kleinen: Bänke, Vordächer, Bushaltestellen, Informationsstände. Es sind diese „Kleinigkeiten“, die das tägliche Erleben der Stadt prägen – ob angenehm oder anstrengend.

Die Experten für den Artikel waren: Sofia Bondar — Stadtgestalter, Stadtforscher und Stadtplaner, Mitglied der Stadtkoalition Ro3kvit; Oleksandr Naryzhna — Architekt, Stadtplaner und Leiter der Nichtregierungsorganisation Urban Reform; Georgi Maksymenko — Architekt und Stadtplaner; Spezialisten der Kiewer Stadtstaatsverwaltungsorganisation „KYIV.PROZORO“.

Ein Beispiel für einen lokalen Markt in einem Wohngebiet: nicht standardisierte Kioske und Straßenstände. Foto: Georgy Maksymenko

MAFs und ihre Paradoxien

„Ein Kiosk ist nützlich, er entsteht nicht einfach so – er erfüllt einen Bedarf“, erklärt Sofia Bondar und betont, dass das Problem nicht in der Form des Bauwerks selbst liegt, sondern in dessen chaotischem Erscheinungsbild. Dadurch verliert die Stadt ihren abstrakten Charakter und wird zu einem lebendigen Lebensraum. Bei Kiosken wird diese Logik besonders deutlich, da sie als Antwort auf die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung entstanden sind: Brot auf dem Heimweg zu kaufen, einen Kaffee in der Nähe der U-Bahn zu holen oder eine kleine Dienstleistung in fußläufiger Entfernung in Anspruch zu nehmen.

Sofia Bondar, Stadtplanerin, Stadtforscherin und Stadtgestalterin, Mitglied der Stadtkoalition Ro3kvit

Oleksandra Naryzhna bezeichnet MAFs als Übergangsphänomen. Sie entstanden als schnelle Reaktion auf den Wandel der Lebensstile nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Planwirtschaftssystems. Kapitalismus und neue Konsummuster hielten schneller Einzug, als die Stadt Zeit hatte, ihre Struktur wiederaufzubauen. Die Expertin betont: „Das Leben verändert sich, und zwar rasant.“

Oleksandra Naryzhna, Architektin, Stadtplanerin und Leiterin der NGO Stadtreform

Georgy Maksymenko fügt den Paradoxien eine weitere Dimension hinzu: Kleinproduktionen und Werkstätten, die im städtischen Raum überhaupt keinen legalen Platz haben. Sie sind gezwungen, sich in Wohnungen, Garagen oder Industriegebieten zu „verstecken“ und bleiben so für die Wirtschaft unsichtbar. Laut dem Architekten sind MAFs ein Versuch, Kleinstunternehmen wieder in den öffentlichen Raum zu integrieren.

Heorhiy Maksymenko, Architekt und Stadtplaner

Einerseits sind sie wirtschaftlich notwendig, weit verbreitet und bereichern den Raum mit einem lebendigen Element des Alltags. Andererseits bleiben sie marginalisiert, gelten als „temporär“ und sind ständig von Abriss bedroht. Sie stören die Vorstellung eines geordneten Raums, beeinträchtigen die visuelle Reinheit und tauchen an Verkehrswegen, in der Nähe von Parks und U-Bahn-Stationen auf – genau dort, wo die Menschendichte am größten ist.

Sowjetischer Mikrodistrikt als ideales Umfeld für MAFs

Jede Epoche hinterlässt ihre architektonischen Spuren, die im Laufe der Zeit unweigerlich mit der neuen Realität in Konflikt geraten. Wohnsiedlungen des späten 20. Jahrhunderts werden oft wegen ihrer Monotonie kritisiert. Liegt ihr eigentliches Problem vielleicht tiefer? Nämlich in der starren, fast sterilen Logik der Stadtplanung. Der sowjetische Mikrodistrikt war nach einem streng hierarchischen Schema angelegt: Man musste an einem Ort wohnen und an einem anderen arbeiten. Einkaufen konnte man nur in staatlichen Läden, Feinkostläden oder Kaufhäusern, die ebenfalls nicht nach Bedarf, sondern nach Plan errichtet wurden. Hinzu kam die ständige Knappheit, sodass Einkaufen zu einer wahren Tortur wurde.

In einem solchen Modell gab es keinen Raum für Flexibilität. Die Erdgeschosse von Plattenbauten waren ausschließlich als Wohnraum konzipiert; die Architekten jener Zeit hatten schlichtweg nicht die Aufgabe, privates Unternehmertum in das Stadtbild zu integrieren, denn die Idee eines Cafés nebenan oder einer Schuhreparatur im Eingangsbereich passte nicht in das System der staatlichen Versorgung. Erdgeschosse von Plattenbauten boten keinen Platz für Gewerbe. Sie in Schaufenster und separate Eingänge umzuwandeln, ist teuer, schwierig und oft mit rechtlichen Hürden verbunden. „Generell waren bis Mitte des 20. Jahrhunderts genutzte Erdgeschosse und in gewissem Maße auch Gewerbeflächen architektonisch integriert. Später änderte sich jedoch alles, sodass wir über das Umfeld sprechen, das sich Ende des 20. Jahrhunderts herausgebildet hat“, ergänzt Oleksandra Naryzhna.

Was/wurde. Ein Beispiel für die Umgestaltung eines Kiosks im Zentrum von Kiew. Foto: KP "KYIV.PROZORO"

Als der Plan durch Marktmechanismen ersetzt wurde, geriet die Stadt in eine kritische Lage. Der Bedarf an kleinen Einzelhandelsgeschäften und Dienstleistungen entstand schlagartig, doch in den Regierungsgebäuden fehlte der Platz dafür. In dieser Lücke, an der Schnittstelle zwischen riesigen Wohnhäusern und abgelegenen Läden, entstanden die kleinen, mobilen Verkaufsstände (MAFs). Sie entwickelten sich zu einer sich selbst regulierenden, fast schon natürlichen Reaktion auf das wirtschaftliche Vakuum. Die Kioske entstanden nicht dort, wo der Plan es vorsah, sondern dort, wo tatsächliche Wege verliefen – auf den ausgetretenen Pfaden von der U-Bahn nach Hause.

Sofia Bondar: „Der Kiosk ist nützlich, er taucht nicht einfach so auf – er reagiert auf eine Anfrage.“

„Für Kleinstunternehmen gibt es kaum noch Platz. Sie tauchen zwar nach und nach in modernen Gebäuden auf, sind aber noch nicht weit verbreitet. Und Kioske sind genau solche Kleinstunternehmen. Das kann ein Indikator dafür sein, dass Bedarf besteht, aber kein Angebot vorhanden ist, sodass ein Kiosk diesen Bedarf zu decken scheint“, schlussfolgert Sofia Bondar.

Neue Morphologie und ihre Kritik

Kiew versucht heute, das unkontrollierte Wachstum von städtischem Bauland in ein geregeltes System umzuwandeln. Ein zentrales Instrument dieser Strategie ist das städtische Projekt „KYIV.PROZORO“, das die Aufstellung temporärer Bauten auf Wettbewerbsbasis legalisiert. In diesem Modell werden städtische Bauflächen nicht mehr als zufälliges Element, sondern als regulierter Bestandteil der Stadtentwicklung betrachtet. Das Unternehmen gilt als Eigentümer der städtischen Grundstücke und ist für die Aufstellung temporärer Bauten zu gewerblichen, privaten, soziokulturellen und anderen Zwecken darauf verantwortlich.

Früher wurden Kioske ohne Rücksicht auf Architektur und technische Anforderungen errichtet. Heute muss jedes Objekt klar definierten Archetypen und empfohlenen technischen Spezifikationen entsprechen. Transparenz steht dabei im Vordergrund: Die Mietrechte werden über elektronische Auktionen im System „Prozorro.Sales“ vergeben. Unternehmer erhalten einen Fünfjahresvertrag mit Verlängerungsoption. Diese Stabilität ermöglicht es Unternehmen, in hochwertige Gebäude und moderne Serviceleistungen zu investieren, ohne Angst vor einem plötzlichen Abriss haben zu müssen.

„KYIV.PROZORO“ betont, dass das Ziel nicht darin bestehe, den Handel von den Straßen zu verbannen, sondern ihn in einen zivilisierten Bestandteil der städtischen Infrastruktur zu verwandeln, der den Haushalt füllt und Kiew verschönert. Die KP fügt hinzu, dass die Gesamteinnahmen aus abgeschlossenen Verträgen bis Ende 2025 13 Millionen Hrywnja betragen. Zum Vergleich: Der Jahreshaushalt von Kiew belief sich 2025 auf rund 90 Milliarden Hrywnja, die Ausgaben für Wohnungsbau, kommunale Dienstleistungen und Stadterneuerung auf rund 7 Milliarden. Diese Einnahmen machen somit weniger als 0,02 % des Stadthaushalts aus.

Ein Beispiel einer offenen Auktion auf „Prozorro.Sales“. Bild bereitgestellt von KP „KYIV.PROZORO“.

Gleichzeitig bewertet die Fachwelt die Reform unterschiedlich. Oleksandra Naryzhna hält die Legalisierung von Markthallen für einen strategischen Fehler: „Dieser Ansatz legalisiert ein solches Phänomen dauerhaft, und das ist katastrophal für die Stadtentwicklung. Temporäre Bauten haben ihren Zweck längst erfüllt. Die Einnahmen aus Markthallen sind stadtweit betrachtet gering. Es geht hier um Lebensqualität und Sicherheit. Wir müssen uns klarmachen: Markthallen werden heute nicht mehr von kleinen Privatunternehmern betrieben, sondern von großen Konzernen wie „Kulynichi“ in Charkiw. In Riga beispielsweise wurden Kioske abgerissen – und es ging nichts verloren. Daher ist es an der Zeit, von kurzfristigen Lösungen zu regulären Investitionen und systemischen architektonischen Lösungen überzugehen, die die Wirtschaft in die Kapitalstruktur der Stadt integrieren. Dies muss systematisch angegangen werden: durch einen Dialog mit der Wirtschaft und die Entwicklung hochwertiger Investitionslösungen“, betont die Stadtplanerin.

Sofia Bondar kritisiert zunächst das Konzept des universellen Designs. Ihrer Meinung nach ignorieren die in der ganzen Stadt üblichen, typischen MAFs (Multi-Academy Frameworks) den lokalen Kontext und garantieren keine Verbesserung der Qualität des öffentlichen Raums. „Meiner Ansicht nach ist es ein Fehler, diese Universalität als etwas problematisch anzusehen. Jeder Fall sollte individuell betrachtet werden. Wir wissen, dass universelle Lösungen nicht für jeden funktionieren. Und ob sich dadurch die Raumqualität tatsächlich verbessert, ist fraglich. In Eindhoven beispielsweise gab es während Festivals viele kleine, zusammenhängende Bauten auf den Stadtplätzen. Das waren Pavillons, Food-Courts usw. Diese Bauten fanden jedoch alle gleichzeitig auf einem bestimmten Platz statt, und vor allem waren die Kioske sehr organisch gestaltet“, bemerkt die Forscherin.

Standardisierte schwarze Kioske. Foto: Georgy Maksymenko

Heorhiy Maksymenko vertritt eine andere Meinung. Er plädiert nicht für die Abschaffung von mobilen Verkaufsständen, sondern für deren Optimierung. Seiner Ansicht nach sollten sie bestehen bleiben, aber gemäß etablierter Gestaltungsrichtlinien und Branchenregeln betrieben werden. „Oft greifen Manager im Streben nach Effizienz zu drastischen Methoden – sie wollen alles mit einem Schlag aufräumen. Dadurch wird Ordnung geschaffen, anstatt ein System zu etablieren. Die Legitimierung von mobilen Verkaufsständen ist eine Ressource und ein Hebel zur Einflussnahme. Hierbei ist es wichtig, eine öffentliche Nachfrage zu formulieren: Wie sollen sie aussehen, welches Angebot sollen sie bieten und wen wollen wir dort sehen?“, bemerkt der Architekt und betont die Notwendigkeit klarer Anforderungen an temporäre Bauten im urbanen Raum.

Heorhiy Maksymenko: „Im Streben nach Effizienz greifen Manager oft zu drastischen Methoden – nach dem Motto: ‚Alles mit einer Handbewegung aufräumen‘. Am Ende geht es dabei eher darum, Ordnung zu schaffen, als ein System aufzubauen.“

Einkaufszentrum Retroville. Fotoquelle: aabb.com.ua

Ist das Einkaufszentrum der Kioskkiller?

Einkaufszentren entstanden einst als Antwort auf die Bedürfnisse der Autogesellschaft: ein großer Parkplatz, ein riesiger Warenkorb und die Möglichkeit, alles an einem Ort zu kaufen. In Europa hat dieses Modell jedoch die Phase der kritischen Überprüfung bereits hinter sich gelassen. Einkaufszentren verlieren zunehmend ihren Status als Zentren des täglichen Lebens und wandeln sich zu Orten für seltene, „strategische“ Einkäufe, die man etwa alle zwei Wochen tätigt. Stattdessen kehrt das tägliche Leben der Bewohner immer mehr in einen menschlichen, überschaubaren Raum zurück.

In der Ukraine befindet sich die Typologie von Einkaufs- und Unterhaltungszentren noch in einer Phase rasanter Entwicklung. Ein Beispiel dafür ist die Situation rund um die Metrostation Akademmistechko in Kiew. Dort soll direkt im Verkehrsknotenpunkt, auf dem Gelände der kürzlich abgerissenen MAFs (Massachusetts Army Facility) ein neues Einkaufszentrum entstehen.

„Das Einkaufszentrum ist zwar riesig, aber die Menschen fühlen sich in einem überschaubaren Raum wohler. In Deutschland und Polen gibt es viele Beispiele für hochwertige Architektur in vergleichbaren Gebieten, die in das Projekt integriert wurden. Die Entwicklung wird neu konzipiert, diese Räume sind eingebunden und funktionieren hervorragend“, bemerkt Naryzhna.

Sofia Bondar ist ebenfalls der Ansicht, dass Einkaufszentren gut geplante öffentliche Räume nicht ersetzen können. „Der entscheidende Vorteil von Kiosken liegt darin, dass man schnell und gezielt etwas auswählen kann, ohne in große Einkaufszentren gehen und endlos herumlaufen zu müssen. Dieses Bedürfnis lässt sich aber auch im Erdgeschoss befriedigen. Wenn man sich zwischen – unter bestimmten Voraussetzungen – belebten Straßen mit Erdgeschossflächen und einigen einzelnen Kiosken entscheiden muss, dann würde ich als Architektin die Straßen und Erdgeschossflächen bevorzugen“, bemerkt sie.

Einkaufszentrum Respublika Park. Fotoquelle: pinchukplusarchitects.com

In Städten mit Blockbauten prägen die Erdgeschosse das Straßenbild. Wenn sich ein kleines Geschäft in ein Gebäude integriert, schafft das Sicherheit und ein Gemeinschaftsgefühl. Ein Café mit Take-away-Tischen oder ein offener Laden verwandelt den Bürgersteig in einen Ort zum Verweilen. Ein separat aufgestellter Kiosk auf der Straße oder in einem Einkaufszentrum verfehlt diesen sozialen Mehrwert. Er erfüllt zwar seinen Zweck, trägt aber nicht zu einem hochwertigen urbanen Umfeld bei. Erdgeschosse in Großstädten wirken nicht erdrückend wie Einkaufszentren und erzeugen kein visuelles Chaos wie Großraumbüros. Es geht um ein Umdenken in der bestehenden Stadtentwicklung: Unternehmen erhalten einen zivilisierten Raum und Anwohner ein ästhetisch ansprechendes Umfeld.

Laut Heorhiy Maksymenko ist es für kleine Unternehmen aufgrund der hohen Ladenmieten und der strengen Gestaltungsvorschriften recht schwierig, in Einkaufszentren Fuß zu fassen. „Wenn die Beziehung direkt zwischen Ladeninhaber und Aufsichtsbehörde besteht, ohne Zwischenhändler, bevorzuge ich solche Beziehungen. Sie wirken demokratischer. Es gibt keinen dritten Akteur, der mit anderen großen Einkaufszentrumsbetreibern konkurriert. Das schafft eine ganz neue Wettbewerbsdimension“, betont der Architekt die Vorteile von Kiosken im öffentlichen Raum.

Bauernmarkt in Lemberg. Fotoquelle: lviv.travel

Jahrmärkte, Märkte: die längst vergessenen neuen

In historischen Städten fanden Jahrmärkte an zentralen Orten statt, wo sich die Menschen treffen und austauschen konnten, während die Architektur sich unauffällig entwickelte. Unansehnliche, provisorische Jahrmarktstände gab es auf den Plätzen nicht, da der Handel nur wenige Tage dauerte und der Platz danach wieder leer stand. Im 20. Jahrhundert setzte sich jedoch die Idee einer radikalen Säuberung durch. Modernistische Architekten wollten die Stadt von „Schmutz, Chaos und Übersättigung“ befreien und sterile, geordnete Räume schaffen, in denen kein Platz mehr für Jahrmärkte war.

Experten sehen in der Wiederbelebung von Jahrmärkten ein wunderbares Phänomen, das den urbanen Raum neu belebt. Wenn eine Stadt damit zu kämpfen hat, zerstört sie ihr etabliertes soziales Ökosystem. „Wenn man die Mikroflora der Stadt mit den ‚Antibiotika‘ strenger Vorschriften vollständig abtötet, verliert die Stadt ihre Überlebensfähigkeit. Jahrmärkte und spontane Märkte sind genau diese ‚lebendigen, guten Bakterien‘, die der Stadt wieder ein menschliches Maß und einen natürlichen Rhythmus verleihen. Die Menschen trafen sich, handelten, unterhielten sich alle paar Tage – und gingen dann wieder. Das beeinträchtigt die Architektur in keiner Weise, sondern schafft einen Raum für Kommunikation“, betont Oleksandra Naryzhna.

„Wenn man die Mikroflora der Stadt mit den ‚Antibiotika‘ strenger Vorschriften vollständig abtötet, verliert die Stadt ihre Lebensfähigkeit. Jahrmärkte und spontane Märkte bringen sie zurück in ein menschliches Maß und einen natürlichen Rhythmus. Dies wird die Architektur in keiner Weise beeinträchtigen, sondern Raum für Begegnung und Austausch schaffen“, – Oleksandra Naryzhna

Laut Sofia Bondar ist der Flohmarkt in der Pochaina-Straße ein gutes Beispiel für einen funktionierenden „Markt“. Sie ist überzeugt, dass er trotz der ständigen Versuche der Behörden, diesen Ort zu regulieren oder einzuschränken, ein einzigartiges kulturelles Zentrum Kiews bleibt. Die Expertin betont, dass die Einzigartigkeit solcher Orte in ihrer absoluten Inklusivität liegt, wo Menschen aller Altersgruppen und Einkommensschichten zusammenkommen.

Flohmarkt in der Pochaina-Straße. Foto: Andriy Gorb

Werden wir in Zukunft noch MAFs sehen? Natürlich ja, denn sie sind ein fester Bestandteil der Stadt. Aber werden die altbekannten Kioske inmitten von Fertighäusern weiterhin stehen bleiben? Vermutlich nicht. Kein Kiosk in seiner jetzigen Form kann mit modernen Geschäften oder Einkaufszentren konkurrieren, die ein viel breiteres Serviceangebot bieten.

Doch wie können kleine Unternehmen weiterhin bestehen? Das Wesen eines jeden qualitativ hochwertigen Raumes liegt in seiner menschlichen Dimension, auch in der städtischen Wirtschaft. In Zukunft wird jeder an organisierten Messen teilnehmen oder einen Lebensmittelmarkt besuchen können, der sich harmonisch in die Stadtarchitektur einfügt. Markthallen werden nicht aus ästhetischen Gründen verschwinden. Sie werden verschwinden, wenn die Stadt eine bessere Alternative für kleine Unternehmen schafft.